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Der Stoff, an dem das Leben hängt

Im Krankentransportfahrzeug und in der Klinik ist medizinischer Sauerstoff unverzichtbar. Krankenhäuser in Deutschland werden damit beliefert. In Afghanistan ist das nicht möglich. Deshalb stellt die Bundeswehr ihn vor Ort selbst her.

Sauerstoff im Feldlazarett: Ohne einen ausreichenden Vorrat an Sauerstoff könnte ein Feldlazarett im Einsatzland nicht betrieben werden. Grundvorrat: etwa 1,6 Millionen Liter in Flaschen. Sauerstoffgewinnung: Pro Tag werden bis zu 300.000 Liter Sauerstoff in Flaschen zu zwei, fünf, zehn oder 50 Litern abgefüllt. Menge: Pro mobiler Sauerstofferzeugungs- und Abfüllanlage werden über 1.800 Zwei- bis 50-Liter-Flaschen aufbewahrt. Versorgung: Ein künstlich beatmeter Patient benötigt 7.200 bis 14.400 Liter Sauerstoff pro Tag. Raumluft: Die Klinikräume werden durch direkte Leitungen mit konzentriertem Sauerstoff und gereinigter Atemluft versorgt.

Sauerstoff im Feldalazarett (Quelle: Y/KircherBurkhardt Infografik)Größere Abbildung anzeigen

Die Bundeswehr verschafft sich Luft in Afghanistan. „Sauerstoff hierher zu transportieren ist einfach zu teuer. Deswegen müssen wir ihn hier vor Ort selbst produzieren“, sagt Oberfeldwebel Martina Hof*, pharmazeutisch-technische Assistentin. Die 26-Jährige ist in der Apotheke des Feldlagers Mazar-e-Sharif für die Herstellung des lebenswichtigen Stoffs zuständig.

Verletzungen und viele Erkrankungen der Lunge sowie einige Herzkrankheiten und insbesondere Schockzustände können zu einem Sauerstoffmangel in den Schlagadern und im Gewebe lebenswichtiger Organe führen. Aus diesem Grund wird Patienten in der Notfall- und Intensivmedizin sehr häufig zusätzlicher Sauerstoff verabreicht. Von ihrem Computer aus überwacht Hof die eigens für Mazar-e-Sharif gebaute Anlage, die aus der Umgebungsluft den Sauerstoff herausfiltert und aufbereitet.

Ein Sättigungsgrad von durchschnittlich 93 Prozent wird erreicht. Medizinischer Sauerstoff in Deutschland hat einen Sauerstoffgehalt von 99 Prozent. „Aber wir haben hier eine Sondergenehmigung, und auf den Patienten hat dies keine Auswirkung“, erklärt Hof. Die Anlage besteht aus drei Modulen. Zusammen können sie 240 Liter in der Minute produzieren. Durch eine Kupferleitung fließt der gefilterte Sauerstoff in einen Nebenraum. Hier steht der Verdichter. Mit einem Druck von 200 bar presst er das Gas in Flaschen. So passen 400 Liter in eine Zwei-Liter-Flasche.

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Oberfeldwebel Martina Hof arbeitet mit sensiblen Druckbehältern

Oberfeldwebel Martina Hof (Quelle: Y/Rippl)Größere Abbildung anzeigen

Eine erfüllende Aufgabe

Die Klinik selbst wird über eine direkte Leitung mit dem konzentrierten Sauerstoff und einer weiteren Leitung mit gereinigter Atemluft versorgt. „Ich muss schauen, ob der Vorrat für die Klinik noch reicht und prüfe ständig die Qualität des Sauerstoffs“, erklärt Hof. Zusätzlich muss sie alles dokumentieren und Reinigungsarbeiten an den Filtern ausführen.

Alles in allem eine erfüllende Aufgabe, die sie rund zwölf Stunden am Tag beschäftigt. Auch die mobilen Sanitätseinheiten des deutschen Kontingents, sowie Schweden und Norweger versorgt sie mit Sauerstoff. Einsam ist die Soldatin daher nicht. „Mit den Teams, die die Flaschen bringen oder abholen, ergeben sich häufig nette Gespräche.“

So wird Sauerstoff gewonnen. Luftmoleküle: Luft durchströmt das Molekular-sieb. Darin werden Stickstoff und Kohlendioxid gebunden. Molekularsieb: Sauerstoff und das Edelgas Argon hingegen gelangen durch das Molekularsieb. Verdichtung: Durch Druckabsenkung unter Atmosphärendruck werden Stickstoff und Kohlendioxid wieder an die Luft abgegeben. Abfüllung: Der mit einem Reinheitsgrad von 93 Prozent erzeugte Sauerstoff wird in Druckgasbehälter abgefüllt. Lagerung: Die befüllten Sauerstoffflaschen müssen in gut durchlüfteten Räumen stehend und gesichert gelagert werden.

So wird Sauerstoff gewonnen (Quelle: Y/KircherBurkhardt Infografik)Größere Abbildung anzeigen

* Name zum Schutz der Kameradin geändert.

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Stand vom: 04.12.13 | Autor: Ronald Rogge


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