Kleine Spende große Hilfe
Das Soldatenhilfswerk kümmert sich um Kameraden in Not. Schnell und unbürokratisch. Dabei ist es auf die Unterstützung aus der Truppe angewiesen. Ein klassisches Symbol für die Aktion ist die gute alte Sammeldose, die in den Einheiten auf Spenden wartet.

Wenn Kameraden in Not sind, ist effektive Unterstützung ein Muss. „Wir sind in jedem Fall schneller, als Hilfe von den jeweiligen Behörden zu erwarten ist“
, betont Oberstleutnant a.D. Ingo Schadt, Schriftführer beim Soldatenhilfswerk. Wer Hilfe fordert, der bekommt sie auch. Die Ablehnungsquote bei Anträgen liegt unter fünf Prozent.
Aber Hilfe kostet Geld. Leider sank die Spendenbereitschaft für das Soldatenhilfswerk in den letzten Jahren. Ein Imageproblem? Dem Spendenaufruf des Vorsitzenden, Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhahn, folgten 2008 nur rund 44 Prozent der Truppe. Dabei ist sie die eigentliche Zielgruppe des Vereins.
„Wir erleben sogar oft, dass Einheiten, in denen wir Soldaten geholfen haben, nicht spenden. Das muss sich ändern“
, fordert Schadt. „Seit der bargeldlose Zahlungsverkehr eingeführt wurde, fallen die Kleckerbeträge weg, die man früher in die Sammelbüchsen gesteckt hat. Das macht sich schon bemerkbar.“

Großes Vertrauensverhältnis notwendig
Ingo Schadt kennt die Menschen, die Opfer bürokratischer Grenzfälle. Ob ein Wehrdienstleistender Vater geworden ist, eine Familie durch ein verheerendes Feuer plötzlich ohne alles da steht oder eine mittellose Mutter ihren im Einsatz verwundeten Sohn besuchen will: Das Soldatenhilfswerk kümmert sich.
Oberfeldwebel Michael Strohmeyer (42) hat sich bereit erklärt, seine Geschichte zu erzählen. Das Besondere an diesem Fall ist, dass Strohmeyer selbst für den Verein gearbeitet hat und die Arbeitsweise und Struktur genau kennt. Er spricht von seinen zwei Kindern, beide geistig behindert und körperlich völlig hilflos. Er gibt uns einen Einblick in die finanziellen und seelischen Belastungen, die er zusammen mit seiner Frau meistern muss.
Durch zwei Umzüge drohte die Finanzlage zu kippen. Die Krankenkassen ließen die Familie im Stich. „Man versucht erst, alles selbst zu lösen, aber irgendwann kommt man einfach nicht mehr nach mit den Zahlungen“
, erklärt er. An den Kindern durften und wollten sie nicht sparen, die konnten schließlich nichts für die Situation. Und so gerieten sie in einen Strudel von Kreditaufnahmen und Zahlungsaufforderungen.
„Da kommt man nur raus, wenn man Leute hat, die einem unter die Arme greifen!“
Den schweren ersten Schritt aber muss jeder selbst wagen. Als Betroffener versteht der Oberfeldwebel nur zu gut, wie schwierig es für viele ist, sich ihre Not einzugestehen. „Man muss sein Leben und seine Finanzen komplett offenlegen. Da ist die Angst, als Versager dazustehen, extrem groß“
, meint Strohmeyer. „Es ist ein großes Vertrauensverhältnis nötig, um einem Fremden seine Fehler einzugestehen.“
650 km Schwimmen, Radfahren und Laufen
Das Soldatenhilfswerk kann ein solches Vertrauensverhältnis schaffen. „In dieser Einrichtung sitzen Menschen, die sich kümmern, zuhören und nachdenken, wie geholfen werden kann.“
Das Soldatenhilfswerk erfüllt eine Betreuungsfunktion, damit sich die Soldaten nicht im Stich gelassen fühlen – wie in der schwierigen Situation Strohmeyers. „Die haben die richtige Einstellung: Man kann nicht erwarten, dass jeder im Leben alles richtig macht.“
Durch seine eigene ehrenamtliche Arbeit wurde Strohmeyer mit viel Elend konfrontiert: „Man kommt so zu der Erkenntnis, dass es uns eigentlich gar nicht so schlecht geht.“
Er betont, wie wichtig es sei, das Licht am Ende des Tunnels zu sehen. „Dort helfen sie, ohne zu tadeln oder den Hilfesuchenden zu verurteilen“
, lobt der Familienvater.
Er selbst hat 2003 jeden falschen Stolz vergessen und einfach um Hilfe gebeten. Seitdem bekam er mehrfach Geld zugunsten seiner Kinder. Unterstützung, die ankommt. Das weiß auch Oberstleutnant Bernhard Vogel (50), stellvertretender Geschwaderkommodore des Flugabwehrraketengeschwaders 1 „Schleswig Holstein“.
Der begeisterte Triathlet verbindet seit 2005 sein Hobby mit Wohltätigkeitsarbeit. Vogel war Kommandeur der Flugabwehrraketengruppe 26 in Husum. „Ich habe Sponsoren gesucht, die für jeden Wettkampfkilometer eine bestimmte Summe gezahlt haben. Insgesamt bin ich 650 km geschwommen, geradelt und gelaufen“
, erzählt er. Alles in allem kamen 3.500 Euro für das Soldatenhilfswerk zusammen.

Hilfe geht jeden an
In den folgenden Jahren sammelte Vogel weiter tatkräftig Spendengelder. Im Jahr 2006 flossen durch die von ihm organisierte „Geht nicht – gibt’s nicht“-Tour 12.000 Euro auf das Konto des Vereins. 2008 veranstaltete er mit elf Verbänden den „Schleswig-Holstein Cup“. 2.100 Euro kamen zusammen.
„Die Solidarität von Soldaten untereinander halte ich für extrem wichtig. Ich wurde in meiner Dienstzeit oft mit beträchtlichem Leid in Soldatenfamilien konfrontiert. Als Disziplinarvorgesetzter habe ich mich auch schon selbst an den Verein gewandt“
, erklärt Vogel.
Um Familie Strohmeyer und vielen anderen helfen zu können, braucht das Soldatenhilfswerk Menschen wie Bernhard Vogel. Ob durch Sportevents, Sommerfeste und Konzerte – oder mit dem Kleingeld aus der Jackentasche: „Die weißen Sammelbüchsen, die auf Kompanieebene für die Geschäftszimmer verteilt werden, dürfen gerne gefüttert werden“
, betont Oberstleutnant a.D. Schadt.
Sollte eine Kompanie ihre Büchse vermissen, freuen sich die Herren in Bonn über einen Anruf. Die Nutzung hängt letztlich vom Engagement der Spieße und Kompanieführer ab. Kameradschaftshilfe sollte aber selbstverständlich sein und dazu zählt auch, das Soldatenhilfswerk zu unterstützen.
| Wer hilft wem in der Bundeswehr? |
| Neben dem Soldatenhilfswerk engagieren sich zahlreiche Partner für das Wohl der Soldatinnen und Soldaten. Dabei bilden die Organisationen ein Netzwerk und decken jeden sozialen Bedarf. |
| Wofür steht das Hilfswerk? |
| Die Einrichtung konzentriert sich auf die Soldatenfamilien. Angeboten werden Reisen und Freizeiten. Ob nun für vom Auslandseinsatz betroffene Familien oder Eltern mit behinderten Kindern. |
| Was machen EAS und KAS e.V.? |
| Die evangelische und katholische Arbeitsgemeinschaft für Soldaten betreut auch Soldatinnen und Soldaten in den Einsatzländern. Unter anderem mit Freizeitangeboten und Seminaren rund um den Einsatz. |





