Welten entfernt
Offenburg, 29.07.2010.
Ende Mai versammelte sich die Mountainbike-Elite in Offenburg, um eine weitere Etappe des UCI WorldCups zu bestreiten. Neben Welt- und Europameistern nahm auch Feldwebel Adelheid Morath (25) an dem Wettkampf teil.

Nach dem Rennen sitzt Feldwebel Adelheid Morath (25) alleine inmitten der vielen Zuschauer im Zielbereich, auf der Leinwand läuft das Rennen der Herrenkonkurrenz, das sie etwas abwesend verfolgt. Nur wenige Meter weiter scharen sich Journalisten und Fans um Sabine Spitz (38), Mountainbike-Olympiasiegerin von Peking 2008, die an diesem Pfingstwochenende ihr viel beachtetes Weltcup-Comeback gab und auf Anhieb Platz 12 erreicht. Die Welten zwischen Morath und Spitz hätten in diesem Moment kaum größer sein können.
Rückblick, wenige Stunden zuvor: Das dritte Damen-Weltcuprennen der Saison 2010 steht unmittelbar bevor. Rund um die Strecke in Offenburg haben sich über 20.000 Zuschauer versammelt. Nur ein kleiner Teil hält sich im Start- und Zielbereich auf, die meisten stehen an den spektakulären Abschnitten der insgesamt fünf Kilometer langen Strecke. Fangruppen aus nahezu allen Teilnehmerländern sind vertreten. Die gesammelte Weltelite der Cross-Country-Mountainbiker hat sich in Offenburg versammelt, das am Fuße des Schwarzwaldes liegt.
Die großen Teams haben ihre Zelte am Rande des Starts aufgeschlagen. Vor Wohnwagen und Lkw bauen die Teams ihre Technikzentrale auf, dutzende Fahrräder, Ersatzteile und geschäftige Mechaniker verdeutlichen dem Beobachter, welche Qualitätsstandards und mechanische Akribie in direkter Vorbereitung auf ein Weltcup-Rennen benötigt werden.

Kondition und High-Tech-Räder
Der moderne Radsport, und damit ebenso die „Königsdisziplin“ im Mountainbiking, gleicht heutzutage ebenso einer Materialschlacht wie der automobile Rennsport. Speziell das Cross-Country beansprucht Mensch und Fahrrad in höchstem Maße, erfolgreich ist nicht nur der oder die schnellste und konditionell stärkste Fahrer oder Fahrerin, sondern auch, wer über das zuverlässigste und hochwertigste Material verfügt.
Professionelle Mountainbikes, die hier auf Weltklasseniveau zum Einsatz kommen, haben den Gegenwert eines neuen Motorrades. Leichtbauweise, hoch komplexe Schaltungen, sogenannte voll gefederte Räder (im Fachjargon „Fully“ genannt): Wer eine in alle Einzelteile zerlegte Schaltung eines Mountainbikes gesehen hat, wird den Aufbau des heimischen Drahtesels, der auch kompliziert ist, zu schätzen wissen.
Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Junioren-Rennens, das vorher ausgetragen wurde, reisten mit deutlich kleinerem Aufwand nach Baden-Württemberg. Da besteht der „Rennstall“ aus einem am Rande des Waldes aufgestellten, kleinen Wohnwagen und einem provisorisch aufgeschlagenen Vorzelt zum Schutz vor der Sonne, und dennoch: Im Vorfeld der Rennen am frühen Sonntagmorgen radeln und üben rund um den Kurs alle Teilnehmer, machen sich warm, feilen an ihren Rädern.
Der Mountainbike-Weltcup der Herren- und Damen-Elite in Offenburg ist dabei mittlerweile die dritte Station im Rennkalender. Dalby Forest (Großbritannien) und Houffalize (Belgien) waren bei Rennbeginn bereits ausgetragen, Champéry (Schweiz), Val di Sole (Italien) und Windham (USA) folgen im Juli und August. Dazwischen steigen in Haifa (Israel) die Europameisterschaften und Ende August, Anfang September im kanadischen Mt-Ste-Anne als Saisonhöhepunkt die Cross-Country-Weltmeisterschaft. Da treten nur Profis an.
Viele Augen waren auf die deutsche Olympiasiegerin Sabine Spitz gerichtet, die eine achtmonatige Verletzungspause hinter sich hatte. Am Ende einer großen Aufholjagd sprang ein 12. Platz für sie heraus. Die Fans waren begeistert, die 38-Jährige musste im Anschluss zahlreiche Autogramme geben.

»Ich genieße die Rückendeckung«
Aufmerksamkeit und Anerkennung, die sich auch Feldwebel Adelheid Morath gewünscht hätte. Denn der Weltcup in Offenburg sollte für sie eigentlich die Wende darstellen. Hier im Schwarzwald, bei ihrem Heimspiel, wollte sie die schwachen Leistungen aus den ersten Rennen wettmachen. Doch die Enttäuschung war groß, gleich nach der Einführungsrunde, der sogenannten „Start Loop“, fiel Morath auf Platz 54 zurück, nach fünf Runden stand auf dem Ergebnisbogen nur Platz 44. „Gerade hier, vor dem deutschen Publikum, ein solches Ergebnis zu fahren, ist schon sehr frustrierend
“, ließ die Zeitsoldatin der Sportfördergruppe Todtnau/Fahl ihrem Unmut freien Lauf. Keine Frage, die Konkurrenz war groß, die besten 123 Fahrerinnen der Welt waren am Start, zudem gilt der Kurs als sehr anspruchvoll. Dass sie diese Herausforderung bestehen kann, bewies Morath in den vergangenen Jahren durchaus, als sie jeweils zu den besten 30 Fahrerinnen in Offenburg gehörte.
Doch in der laufenden Saison ist der Wurm drin, „Ich muss mich da irgendwie selber herausholen
“, richtet die 25-Jährige den Blick nach vorn. Sie wirkt etwas ratlos, aber Zeit zum Resignieren bleibt nicht viel. Auf die Unterstützung der Spitzensportförderung der Bundeswehr kann die sympathische Morath setzen, wie sie betont: „Etwas Besseres als die Bundeswehr konnte mir nicht passieren
“, gibt sie zu, „ohne die Förderung wäre ich nie soweit gekommen. Ich genieße die Rückendeckung.“

Zumal die Bundeswehr einige Weltklasse-Radsportler in den eigenen Reihen weiß. Der bekannteste unter ihnen ist sicherlich Robert Bartko, mehrfacher Olympiasieger und Weltmeister im Bahnradsport. Einige Meter weiter gibt Sabine Spitz fleißig Interviews. „Ich bewundere Sabine
“, sagt Adelheid Morath, und lächelt zu ihrer Konkurrentin, „bei Olympia 2012 in London möchte ich wieder mit ihr antreten
.“ Das große Ziel Olympia eint die beiden Radsportlerinnen, und vielleicht fahren sie in zwei Jahren nicht mehr in unterschiedlichen Welten.
»Ich will auf dem Treppchen stehen«
| Wie fällt Ihr Fazit direkt nach Rennende aus? |
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| Ich bin mit gemischten Gefühlen ins Rennen gegangen, weil ich nicht wusste, wo ich nach der langen Pause stehe. Mir war bewusst, dass die Konkurrenz schon über eine größere Wettkampfhärte verfügt, weil sie die beiden Weltcups vorher gefahren waren. Ich wollte vor allem sehen, inwieweit ich schon das Tempo mitgehen kann. Insofern bin ich mit dem zwölften Platz zufrieden. |
| Sie haben die Erwartungen vor diesem Rennen gedämpft. Wollten Sie keinen Druck aufkommen lassen? |
| Mein Team und ich haben schon vor Wochen kommuniziert, dass wir erst in der zweiten Saisonhälfte von Juli bis September angreifen wollen, bis dahin möchte ich meine Topform wieder haben. Ich wusste, dass ich hier in Offenburg noch nicht um den Sieg mitfahren kann, weil ich noch Zeit und Wettkampfpraxis benötige. Der nächste Weltcup steigt Anfang Juli, die Europa- und Weltmeisterschaften stehen ebenso vor der Tür. |
| Wagen Sie bereits einen Ausblick auf diese Rennen? |
| Ganz klar, speziell bei den Welt- und Europameisterschaften möchte ich wieder auf dem Treppchen stehen. Das muss das Ziel sein, darauf arbeite ich hin. |
Einsteigertipps
Wie beginne ich mit dem Mountainbiken?
Man suche sich zwei unterschiedliche Strecken zu je einer Stunde, auf denen werden die Technik, aber auch Ausdauer und Kondition trainiert. Erstmal geht es darum, sich mit dem Bike vertraut zu machen, mit seinem Kurven- und Bremsverhalten. Am Anfang bitte nicht zu viel: Bei Bergauffahrten sollten sich Anfänger eher etwas unterfordern. Übung macht den Meister!
Welche Sportarten sind eine gute Ergänzung?
Ausdauersportarten wie Schwimmen, Joggen oder Inlineskaten passen gut zum Mountainbiking. Doch auch hier gilt: Nicht alles auf einmal! Wer zu schnell anfängt, hält meistens nicht lange durch.
Was sollte ich beim Fahrradkauf beachten?
Eine gute Beratung beim Fachhändler ist das A und O. Was man mit dem Rad machen möchte und wie risikofreudig man ist, beeinflusst die Wahl des Bikes. Das Rad muss zum eigenen Körper passen! Und auch an bequemen Klamotten und der Sicherheitsausrüstung sollte nicht gespart werden. Also den Helm nicht vergessen!





