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„Von allem ein bisschen“

Er rast im Wok durch die Bobbahn. Er brettert im Stockcar durch die Arena und stürzt sich beim Turmspringen in die Tiefe. Stefan Raab (42) spricht mit Y. über die Bundeswehr und die „Raabphilosophie“.

Stefan Raab
Aufsteiger. (Quelle: Wilhelm Breuer)Größere Abbildung anzeigen

Sie haben 1986 Ihre Grundausbildung in Pinneberg absolviert. Als Funker bei der Luftwaffe. War es eine Selbstverständlichkeit für Sie, Wehrdienst zu machen?

Ich bezeichne mich gerne als Zivildienstverweigerer. Da ich ein klares Ziel im Leben hatte, wollte ich nicht viel Zeit mit uninteressanten Dingen verschwenden. Außerdem bin ich eigentlich ein Abenteurer. Mir ist klar, dass die Bundeswehr das ungern hört. Die mögen das Bild des Abenteurers in Uniform nicht. Aber so eine 36-Stunden-Übung hat auch immer ein bisschen was von einem Kindergeburtstag.

Dann hatten Sie also viel Spaß in der Grundausbildung?

Ich habe mich schon am ersten Tag disqualifiziert, weil ich immer gerne Späße mache. Bei der Einweisung im Kompanieraum hat der Feldwebel die verschiedenen Möglichkeiten, Sport zu treiben, vorgestellt. Dann ging es darum, eine Volleyballgruppe zu gründen. Da habe ich einfach mal aufgezeigt, wollte einen Spaß machen und hab' gefragt, ob sie noch einen Torwart bräuchten. Diese Respektlosigkeit wurde mir in dem Moment, wo die Sicherheitsbögen ausgefüllt wurden, heimgezahlt. Der Feldwebel sagte: „Kommen Sie bitte nicht alphabetisch nach vorne, sondern geben Sie Ihre Zettel alle ungeordnet dem Flieger Raab. Der ordnet die dann.“ Das war die erste Disziplinierungsmaßnahme — direkt am Anfang.

Begann damals Ihre Musikerkarriere?

Kurz bevor die Grundausbildung zu Ende war, suchte die Bundeswehr Musiker für eine Band. Die sollte auf sozialen Veranstaltungen und in Altersheimen auftreten. Dafür habe ich vorgespielt und wäre sogar genommen worden. Ich hatte nur keinen Bock, in Pinneberg zu bleiben. Außerdem hatte ich schon eine eigene Band. Doch am Ende der Grundausbildung haben wir tatsächlich noch eine Band aus fünf oder sechs Leuten formiert. Mit der haben wir in der Kantine ein großes Abschlusskonzert vor cirka 400 Soldaten gegeben.

Peter Maffay war in Afghanistan und hat dort gesungen. Ralf Möller besuchte das Camp in Mazar-e-Sharif. Hätten Sie auch Interesse, mal nach Afghanistan zu fliegen?

Grundsätzlich versuche ich jede Möglichkeit wahrzunehmen, Neues kennenzulernen und neue Erfahrungen zu sammeln. Afghanistan würde mich sehr interessieren. Ich vermeide dabei allerdings soweit es geht „Katastrophentourismus“. Ohne den Kollegen, die es ehrlich meinen, zu nahe zu treten – ich habe manchmal den Eindruck, dass gerne Gutes getan wird, wenn Reporter und Fotografen dabei sind. Wenn das nicht mehr der Fall ist, wird es da eher dünn.

Könnten Sie sich denn vorstellen, als Entertainer zur Truppenbetreuung nach Afghanistan zu kommen?

Das ist durchaus vorstellbar, aber nicht unter großer medialer Anteilnahme.

Die Big Band tritt demnächst bei „TV-Total“ auf. Haben Sie sie schon mal live gesehen?

Ich bin in der Zeit groß geworden, in der die Bundeswehr Big Band mit Günter Noris noch in großen Fernsehshows und in Fußballstadien unterwegs war. Das fand ich super. Ich war ein ganz großer Fan der Big Bands in Fernsehshows. Heute gibt es das leider so nicht mehr – mit glänzenden Trompeten, vielen Leuten und dem Sound. Für mich ist es ein bisschen Nostalgie. Deswegen bin ich dankbar, dass die Big Band der Bundeswehr bei uns spielt. Big Band klingt immer geil. Gerade dann, wenn sie live spielt.

Welche Erwartungen haben Sie an den Auftritt der Big Band in Ihrer Sendung?

Musikalisch braucht man sich da wohl keine Sorgen machen und um die Disziplin auch nicht. Wir haben viele Rock- und Popbands bei uns zu Gast. Sie können sich vorstellen, dass es da mit der Disziplin nicht weit her ist. Wenn es um Disziplin geht, hat die Bundeswehr ein Top-Image. Deshalb freut sich unsere Aufnahmeleitung schon auf eine entspannte Woche.

Um nochmal auf Ihre Vergangenheit zurückzukommen. Stichwort Viva. Anarchie-TV Viva war da so ein Begriff. Was haben Sie sich aus dieser Zeit bewahrt?Wir haben viel improvisiert. Das mache ich heute noch, weil das meiner Wesensart entspricht. „Wer übt, der kann nix“, ist meine Philosophie. Zu gut sollte man nicht auf seine Sendung vorbereitet sein. Zumindest im Fernsehen. Wenn Sie die ganze Sendung durchgeplant haben, passieren Ihnen keine Missgeschicke. Doch über die können sich die Leute und ich selber am Besten amüsieren.

Neben „TV-Total“ haben Sie eine Vielzahl von Events erfunden. Woher kommen Ihre Ideen?

Im Leben ist das ja meist so: Man muss sich für etwas Bestimmtes oder für ein paar bestimmte Sachen entscheiden. Für mich stellte sich früh die Frage: Immer das gleiche machen ist doch total langweilig. Wie wäre es denn, wenn man von allem so ein bisschen macht? Ich kann vieles, aber nichts so gut, dass ich ein Experte wäre. Ich bin vielseitig interessiert und wollte immer alles probieren. Aus so einer Idee ist „Schlag den Raab“ entstanden.

Haben Sie eine Lieblingssendung? Außer Ihrer eigenen natürlich.

Wirklich regelmäßig gucke ich den „Weltspiegel“. Das ist aber keine Unterhaltungsshow. Ich mag eigentlich kein Programm, das Kommunikation unterbindet. „Wetten, dass..?“ ist für mich die ideale Sendung. Da können Sie sich mit fünf Mann hinsetzen, die ganze Zeit quatschen und Sie verpassen nichts.

Und – gibt's noch ein Andenken an die Truppe?

Ich habe noch ein altes Bundeswehr-Turnhemd. Das Original mit dem Aufnäher in der Mitte. Mir fehlt aber die Figur, um das im Sommer zu tragen.

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Stand vom: 11.12.2008

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