Orion auf Sendung
Wie ist das Verhältnis der Bundeswehr zu den Medien? Am Horn von Afrika wurde das Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“ von einem Fernsehteam begleitet.

Dschibuti: 7.40 Uhr, 33 Grad Celsius und 95 Prozent Luftfeuchtigkeit. Der Himmel ist nur leicht bewölkt. Auf dem Militärflugplatz stehen zwei Transall C-160 der französischen Luftwaffe, zwei französische Bréguet, eine spanische P-3A Orion sowie eine deutsche P-3C Orion. Es ist nahezu windstill.
Nur ein paar Krähen sind so früh schon unterwegs, während an der deutschen Orion die Vorbereitungen für den ersten Start im Einsatzland beginnen. Knapp zwei Stunden später kann die Crew um Fregattenkapitän Mario Kaiser (37) die Triebwerke starten. Langsam rollt die Maschine zur Startbahn. Mit vollem Schub beschleunigt die Orion und erhebt sich steil in den sonnendurchfluteten Himmel.
Schnell Vertrauen gefasst
Unter ihr liegt die Wüste Ostafrikas – vereinzelt sind Hütten und Schotterwege zu sehen, Menschen nur wenige. Eine leichte Kursänderung nach links, und der graue Seefernaufklärer mit dem Eisernen Kreuz der Bundeswehr fliegt über dem Golf von Aden mit seinem türkisblauen Wasser. Ziel: Das Horn von Afrika.
Neben der regulären Besatzung sind beim Premierenflug zwei Gäste an Bord: Kameramann Lukas Piechowski (31) und TV-Redakteurin Ulrike Hinrichs (40). Beide arbeiten für Phoenix und das ZDF. Sie begleiten die Crew schon seit Tagen. Deshalb wollen sie auch beim ersten Flug der Orion im Einsatzland dabei sein.
„Wir machen eine Reportage über die Marineflieger in Nordholz“
, erklärt Hinrichs. Besatzung und Maschine sind ihnen bereits vertraut. „Wir kannten die Soldaten teilweise schon aus Nordholz. Zunächst war es ein Abtasten. Wir haben schnell Vertrauen zueinander gefasst, denn die öffentlich-rechtlichen Sender genießen eine gute Reputation.“

Sicherheit geht vor
Piechowski filmt mit seiner Kamera alles, was er kriegen kann. Die Aufnahmeleuchte brennt im Dauerbetrieb. „Ich drehe so viel wie möglich“
, sagt er, bis die Akkus leer seien oder die Soldaten genug von ihm hätten. So weit kommt es nicht. Die Crew hat die TV-Leute gern aufgenommen, obwohl im Flugzeug wenig Platz ist.
„Dies ist ein gute Gelegenheit, die Marineflieger in den Fokus zu rücken. Da wir ein kleiner Bereich mit begrenzter Anzahl an Luftfahrzeugen und Personal sind, haben wir nur wenige Gelegenheiten, so aufmerksam betrachtet zu werden“
, erklärt Kommandeur Fregattenkapitän Mario Kaiser. Die beiden Journalisten bekommen aber nicht alle Informationen – aus Sicherheitsgründen.
| Ungewohnt |
| Die klimatischen Bedingungen in Dschibuti sind eine Herausforderung für das Flugzeug: Hoher Salzgehalt und über 90 Prozent Luftfeuchtigkeit beanspruchen die Technik stärker als zu Hause in Deutschland. |
| Team |
| Im Cockpit sitzen der Pilot, der Co-Pilot und der Bordmechaniker. Im Bauch der Orion teilen sich der Taktische Koordinator und der Offizier für Navigation und Kommunikation einen Bereich. Etwas weiter hinten sitzen zwei Mann für das Radar, zwei Soldaten für die Sonaranlage und schließlich die beiden „Observer“, die mit Ferngläsern Ausschau halten. |

Optimales Arbeiten
Ein eigens abgestellter Soldat kümmert sich an Bord um die beiden, erklärt ihnen, welche Monitore gefilmt werden dürfen und welche nicht und wann das Mikrofon ausgeschaltet werden muss. „Kein Problem, wenn etwas geheim eingestuft ist“
, zeigt Hinrichs Verständnis.
Aber das Meiste ist erlaubt: Die TV-Redakteurin führt im Bauch des Flugzeuges Interviews mit fast allen Besatzungsmitgliedern, der Kameramann filmt die angesteuerten Schiffe aus dem Cockpit heraus, das Aufnahmegerät läuft sogar bei regem Funkverkehr.
Genau wie bei einem normalen Einsatzflug meldet die Besatzung Informationen weiter: Kurs, Geschwindigkeit und Ladung ziviler Schiffe und Boote. „Mit der Sensorik an Bord können wir optimal arbeiten“
, sagt ein Besatzungsmitglied. Damit sei das Flugzeug natürlich besser als der 40 Jahre alte Vorgänger, die Bréguet Atlantic.

Beeindruckende Leistung
Erstes Aufklärungsziel des heutigen Eingewöhnungsflugs ist die „Spessart“, ein deutscher Versorger, der ebenfalls im Rahmen der Atalanta-Mission vor Ort ist. Während des Fluges fragt die Redakteurin die Soldaten nach ihrem Auftrag, ihren Gefühlen und ihrer Arbeit. Aber das ist kein Problem, im Gegenteil: Die Marineflieger können auf diese Weise der breiten Öffentlichkeit ihre schwere Arbeit am Horn von Afrika erklären.
Das sieht auch Kommandeur Kaiser ganz ähnlich: „Die Journalisten stellen kritische Fragen, deren Antworten die Öffentlichkeit interessieren. Sie hat schließlich einen Anspruch darauf zu erfahren, was die Bundeswehr macht.“
Für das TV-Team ist es nicht der erste Bundeswehreinsatz. Beide waren bereits mit der Truppe unterwegs – die Bundeswehr ist kein Neuland für sie. In Dschibuti waren sie allerdings noch nicht. Ulrike Hinrichs: „Ich bin beeindruckt davon, wie die Soldaten mit den unterschiedlichen Bedingungen klarkommen.“
Knapp vier Stunden sind vorbei. Die Orion zieht eine Spitzkehre und fliegt zur Basis. Fernsehfrau Hinrichs ist zufrieden: „Ich habe hier live gesehen, wie die Arbeit der Marineflieger funktioniert. Für uns war der Flug das Highlight, ohne den hätten wir die Reportage nicht machen können“
, freut sie sich. Auch die Soldaten sind guter Dinge: „Ich habe ein sehr gutes Gefühl, weil wir hier das anwenden können, was wir zu Hause lange Zeit ausgebildet und trainiert haben“
, resümiert Mario Kaiser.
| Was ist Atalanta? |
| Seit Dezember 2008 beteiligen sich bis zu 1.400 Soldaten an der EU-Anti-Piraterie-Mission Atalanta. Ziel ist der Schutz von Handelsschiffen mittels Überwachung des Seegebietes. |
| Wie ortet die Orion Schiffe? |
| Verdächtige Schiffe überprüft die Orion mit Radar, elektrooptischer Kamera und dem Automatic Identification System (AIS). AIS übermittelt Daten wie Name, Registrierung, Hafen und Ladung. |
| Was passiert bei einer Ortung? |
| Zuerst erfolgt die Kontaktaufnahme zu in der Nähe befindlichen Kriegsschiffen. Dann fliegt die Orion zur Position, überprüft und gibt die Infos weiter. |
