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Alles aus dem Katalog

Strategischer Einkauf lautet das Zauberwort, mit dem die Bundeswehr und andere Ministerien durch einen gebündelten Einkauf von handelsüblichen Verbrauchsgütern Millionenbeträge einsparen wollen. Erste Erfolge des ehrgeizigen Projekts zeichnen sich ab.

Collage aus Bildern diverser Waren
Ob Computer, Stempel oder Schrauben: So gut wie alles kann o … (Quelle: aboutpixel/pixelio/ZNBw)Größere Abbildung anzeigen

Die Zeiten haben sich geändert. Den Ost-West-Konflikt gibt es nicht mehr. Die Armee hat ihr Aufgabenfeld verändert. Weltweite Einsätze sind in den Vordergrund getreten. Im Rahmen der Transformation entwickelt sich die Bundeswehr von einer territorialen Armee zu einer Einsatzarmee. Die neuen Rahmenbedingungen beeinflussen auch die Bewirtschaftung der Depots – ihre Bestände werden gesenkt.

Die Versorgung soll dabei durch den so genannten Strategischen Einkauf gesichert bleiben – ein Verfahren, das in der freien Wirtschaft schon seit längerem angewandt wird. Dabei geht es vor allem darum, Güter so zu produzieren und in den Vertrieb zu bringen, wie es der Marktlage entspricht.

Das führt oft zu einer erheblichen Verringerung der Lagerkapazitäten und kann sogar auf die Preisgestaltung Einfluss nehmen, indem reduzierte Kosten an den Verbraucher weitergegeben werden. Die Lieferanten müssen sich darauf einstellen. Mit ihnen kann entsprechend verhandelt werden. Aber nicht nur das.

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Erheblicher Fortschritt

Sven Hischke (43) ist Servicebereichsleiter in der Serviceabteilung Strategischer Einkauf (SAbt E) beim Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) in Koblenz. Der Baudirektor hat mit seinem Team maßgeblich an der Konzeption des Strategischen Einkaufs mitgewirkt.

„Wir haben es hier mit einem Wechsel von der Depotlogistik zu einer direkten Zulieferlogistik zu tun,“ erklärt Hischke. Was sein Team entwickelt hat, ist eben in der freien Wirtschaft schon längst etabliert, für die Bundeswehr aber ein erheblicher Fortschritt.

Auch beim Bestellen ändert sich etwas – mit Hilfe der elektronischen Kataloge. Wer seine DVDs bei einem Internet-Versandhändler kauft, kennt die Vorgehensweise: Man gibt den entsprechenden Filmtitel in eine Suchmaske ein. Das DVD-Cover wird daraufhin angezeigt, zusätzlich gibt es eine Inhaltsangabe und Fotos.

Um den Film zu kaufen, klickt man das Feld „Zur Kasse“ an und schickt die Bestellung ab. Suchen, auswählen, bestellen – das geht alles schnell und bequem über das Internet. Bei der Bundeswehr ist das noch nicht in vollem Umfang möglich, weil die elektronischen Kataloge nur im Intranet des BWB liegen.

W… W… W…
Welche Produkte sind bestellbar?
Handelsübliche Waren in 17 unterschiedlichen Katalogbereichen.
Wer kann die Produkte bestellen?
Die Bevollmächtigten der Bundeswehrdienstellen sind dazu berechtigt.
Wo muss man sich einloggen?
Die elektronischen Kataloge findet man auf den Intranetseiten des BWB.

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Vier Tage bis zur Auslieferung

In ihnen können zwar Produkte gesucht und gefunden werden, nach dem Klick auf das Feld „Bestellung“ aber rauscht der Auftrag nicht durch die Datenleitung, sondern erscheint in einem vorgefertigten Formular auf dem Bildschirm. Das muss ausgedruckt und als Fax verschickt werden.

Über eine Internetverbindung wäre es einfacher, Bestellungen aufzugeben, doch „da gibt es noch Sicherheitsprobleme“, sagt Regierungsoberamtsrat Ralf Heimes (50), Referent in der SAbt E. „Die Bundeswehr arbeitet hier an einer entsprechenden Lösung.“

Mit den notwendigen Freigaben und Unterschriften versehen, geht das Fax an den Vertragspartner. Die Bestellung werde rund vier Tage später ausgeliefert, so Heimes. Von Batterien, Handwerkszeug wie Meißel oder Doppelhobeln sowie Digitalkameras oder Kopiergeräten bis hin zu Sanitätsmaterial oder Formularen reicht die Palette der im Moment bestellbaren handelsüblichen Waren, die dem Nutzer zur Bestellung übersichtlich in bislang 17 Katalogen zur Verfügung stehen.

50 bis 60 Kataloge könnten es wohl mal werden, schätzt Sven Hischke, vielleicht sogar noch mehr. Je mehr Waren über diesen Weg beschafft werden, desto mehr Geld kann die Bundeswehr einsparen. Bei der operativen Beschaffung werden aktuelle Bedarfsmengen ermittelt und als Einmallieferung oder in Teillieferungen in die Depots gebracht.

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Ein Anfang ist gemacht

Dabei sind jeweils unterschiedliche Verträge mit unterschiedlichen Preishöhen ausgehandelt worden. Beim Strategischen Einkauf fällt das weg: Hier wird der Bedarf für einen Zeitraum von bis zu vier Jahren ermittelt und in einem Bündelungsrahmenvertrag zentral ausgeschrieben. Dadurch kommen weitaus größere Abnahmemengen zustande als bisher.

Der Vertragspartner kann besser planen, was sich wiederum in niedrigeren Preisen bemerkbar macht. Am Beispiel von Batterien lässt sich dies gut darstellen. Im ersten Quartal 2009 wurden über 800.000 Batterien gekauft. Gegenüber den üblichen Internetpreisen konnte nun – durch die hohe und gebündelte Abnahmemenge – eine Ersparnis von immerhin 28 Prozent erzielt werden.

Eine Gesamtsumme der Einsparungen kann Sven Hischke noch nicht nennen. Das ist derzeit nicht möglich, denn zu den Einsparungen beim Kauf kommen noch weitere Einsparungen durch die Verschlankung der Prozesse hinzu. Ein Anfang ist gemacht. Eine positive Entwicklung ist jetzt schon spürbar.

Marktmacht
Grundlagen
Rund 250 Milliarden Euro gaben Bund, Länder und Kommunen im vergangenen Jahr für Produkte und Dienstleistungen aus. Durch die Bündelung von Nachfrage und Vergabeverfahren können hohe Beträge eingespart werden. Grundlage für die Maßnahmen sind das „7 Punkte Programm der Bundesregierung zur Optimierung öffentlicher Beschaffungen“ sowie das „Regierungsprogramm Zukunftsorientierte Verwaltung durch Innovationen“.
Einkauf
Die Bundeswehr ist mit zwei Millionen Artikeln der größte Einkäufer des Bundes, das BWB ist die größte Einkaufsbehörde des Bundes. Im Jahr 2008 wurden durch das BWB 10.945 Beschaffungsaufträge im Gesamtwert von rund 3,2 Milliarden Euro erteilt.
Beispiele
Im vergangenen Jahr wurden 3.532 Kopierer für die Bundeswehr und andere Bundesressorts gekauft. Durch die Bündelung von bisher 76 auf nur noch ein Vergabeverfahren kamen Einsparungen von rund 800.000 Euro zusammen. In einem Pilotprojekt konnten bei der Beschaffung von 21 Ersatzteilen für den Kampfpanzer Leopard 2 rund 9 Millionen Euro gespart werden.

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Stand vom: 13.08.2009 | Autor: Andreas Steffan

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