Senkrechtstarter
Die F-35 Lightning II könnte de facto das NATO-Flugzeug der Zukunft werden. Der Mehrzweckjäger soll in den USA und in den Partnerstaaten 13 gegenwärtige Flugzeugtypen ablösen, darunter auch die A-10, F-16, F/A-18 sowie Harrier II.

Mindestens acht NATO-Mitglieder wollen ihre gegenwärtigen Jäger und Jagdbomber ganz oder teilweise durch den Mehrzweckjäger F-35 Lightning II ersetzen. Die künftige Jagdflotte der U.S. Air Force soll beispielsweise zu 90 Prozent aus F-35 bestehen. Voraussichtlich wird die Bundeswehr das Waffensystem nicht anschaffen. Deutsche Streitkräfte werden aber mehrere Jahrzehnte lang Seite an Seite mit den F-35 der Partnerländer arbeiten.
Es gibt drei Ausführungen der Lightning II. Alle sind in der Luft betankbar. Die „A“-Variante ist ein konventioneller Jagdbomber. Diese Ausführung wird von der U.S. Air Force und von vielen anderen Luftstreitkräften erworben. Die „B“-Variante ist ein STO/VL-Flugzeug, also ein Senkrechtstarter (Short Take-Off and Vertical Landing). Die F-35B kann mit voller Nutzlast von kurzen Landebahnen – etwa auf amphibischen Trägern – starten und unter Einsatz eines Hubgebläses schweben und senkrecht landen. Mit einer reduzierten Nutzlast kann sie auch senkrecht starten.
Die Senkrechtfähigkeit erlaubt auch das Starten und Landen im Gelände. Das Flugzeug kann so in Frontnähe betankt und neu bewaffnet werden und binnen Minuten wieder den Bodentruppen in der CAS-Verwendung („Close Air Support“) beistehen. Diese Ausführung wollen das amerikanische Marinekorps sowie die Luft- und Seestreitkräfte Italiens und Großbritanniens anschaffen. Die F-35B wird das weltweit erste überschallschnelle STO/VL-Flugzeug und auch das erste STO/VL-Stealth-Flugzeug sein.

Überlegene Stealth-Eigenschaften
Die „C“-Variante ist für den Einsatz auf amerikanischen Flugzeugträgern ausgerichtet und wird nur durch die U.S. Navy erworben. Sie hat einen verstärkten Rumpf und ein verstärktes Fahrgestell, um die Belastungen der Katapultstarts und Arretierlandungen zu überstehen. Das Heckleitwerk ist größer als bei den übrigen Varianten. Dies gewährleistet optimale Feinsteuerung beim Landeanflug. Darüber hinaus sind die Tragflächen anderthalbmal so groß wie bei den „A“- und „B“-Varianten, damit genügend Auftrieb beim Katapultstart entsteht.
Die F-35C wird das erste trägergestützte Stealth-Flugzeug sein. Vor allem die trägergestützte F-35 soll ab der „Stunde eins“ im Kriegsfall feindliche Radar-, Flugabwehr-, und Führungssysteme bekämpfen und so einen Korridor für Fernbomber, Transportmaschinen und Jäger ohne Stealth-Eigenschaften öffnen. Um die Stealth-Eigenschaften zu wahren, muss die F-35 allerdings ihre Nutzlast in den beiden internen Waffenkammern führen. Diese sind seitlich am Rumpf angebracht, die Gefahr einer Radarerfassung während der Lukenöffnung soll so reduziert werden.
Je nach Ausführung kann die F-35 bis zu 8.200 Kilogramm Nutzlast führen. Mehr als 40 verschiedene amerikanische und europäische Raketen- und Bombentypen stehen zur Auswahl. In erster Linie wurde das einsitzige Überschallflugzeug als Jagdbomber ausgerichtet. Es kann feste und bewegliche Ziele jeder Art bekämpfen. Aber auch im Luftkampf soll die F-35 fast allen anderen Flugzeugen überlegen sein, so das Pentagon. Im Luftkampfsimulator erzielt die Lightning II gegen fremde Hochleistungsjäger ein Abschussverhältnis von vier zu eins. Schlüssel zum Erfolg sind die überlegenen Stealth-Eigenschaften und die Sensorenausstattung der Lightning II. Kurz: Die F-35 erfasst und zerstört den Gegner, bevor der Feind die F-35 überhaupt wahrnimmt.

Hightech bis in die "Flügel"-Spitzen
Die Lightning II erhält zudem laut Pentagon die weltbeste Sensorenausrüstung, die je in ein Jagdflugzeug eingebaut wurde. Das AN/APG 81 AESA Phasenradarsystem erfasst, identifiziert und verfolgt Flugziele und bewegliche Bodenziele. Ungewöhnlich ist, dass der Pilot quasi durch sein Flugzeug hindurchschauen kann. Das ermöglichen Kameras und Wärmesensoren, die in Rumpf und Tragflächen auf allen Seiten eingebaut sind. Damit hat der Pilot Feindflugzeuge, Raketen und Bodenziele immer in Sicht. Er kann sogar Raketen auf Flugzeuge feuern, die direkt hinter ihm fliegen, ohne Luftkampfmanöver durchzuführen.
Im Gegensatz zu den heutigen Hochleistungsjägern wird die F-35 keine Head-Up-Display (HUD)-Anzeige auf der Sichtscheibe der Pilotenkanzel haben. Stattdessen wird eine virtuelle HUD-Anzeige auf das Visier des Pilotenhelms projiziert. Neben den üblichen taktischen Daten und Cockpitinformationen sieht der Pilot hier unter anderem Videobilder der Bordkameras. Der Helm hat sogar eine eingebaute Nachtsichtkamera, die ihre Bilder auf das Visier projiziert.
Die Entwicklung einer solchen Hochleistungsmaschine ist allerdings nicht ganz einfach. Das Entwicklungsprogramm liegt aufgrund technischer Verzögerungen um 30 Monate hinter dem Zeitplan. Auch die Kosten nehmen dramatisch zu. Sie haben sich bislang verdoppelt und steigen weiter. Immerhin sollen die Betriebs- und Wartungskosten der F-35 wesentlich geringer ausfallen als bei bisherigen Flugzeugtypen. Dies könnte den Anstieg der Anschaffungskosten langfristig ausgleichen. Geplante Dienstzeit des neuen Wunderflugzeugs: Fünfzig Jahre.
| Wer entwickelt das Flugzeug? |
|---|
| Die F-35 wird von den USA und acht Partnerländern gemeinsam entwickelt. Neben den NATO-Staaten Dänemark, Großbritannien, Italien, Kanada, Niederlande, Norwegen und Türkei ist auch Australien Mitglied im Entwicklungskonsortium. Israel und Singapur sind assoziierte Partner, die keine Entwicklungskosten tragen. |
| Wo wird es gebaut? |
| Die Montage der Flugzeuge findet im Lockheed Martin Werk in Fort Worth (Texas) statt, doch werden die Bestandteile durch mehrere hundert Zulieferfirmen aus allen neun Partnerländern hergestellt. Mehr als 300 Ingenieure der europäischen Rüstungsindustrie sind in Fort Worth direkt am Entwicklungsprogramm beteiligt. |
| Was kostet das Programm? |
| Die USA tragen 90 Prozent der Programmkosten. Großbritannien trägt fünf Prozent. Die voraussichtlichen Stückkosten der F-35 liegen zwischen 114 und 158 Millionen US-Dollar. Die USA rechnen mit einem Eigenanteil von 329 Milliarden US-Dollar, der jedoch vermutlich noch weiter steigen wird. |

Hochleistung
Neue Generation
Neben der amerikanischen F-22 und der F-35 gehört auch der künftige russische Jäger T-50 zu den Jagdflugzeugen der fünften Generation. Die Volksrepublik China will bis 2020 ebenfalls ein eigenes Jagdflugzeug dieser Kategorie entwickeln.
Eigenschaften
Der Begriff „Jagdflugzeuge der fünften Generation“ beschreibt die seit 2005 eingeführten Hochleistungsflugzeuge, die wesentlich verbesserte Stealth-Eigenschaften aufweisen als frühere Tarnkappenflugzeuge. Sie führen Präzisionswaffen in einer internen Waffenkammer, um die Stealth-Eigenschaften zu wahren. Ihre AESA-Phasenradarsysteme sind durch feindliche Sensoren schwer zu erfassen und zu stören. Durch Datenverbund verfügen sie über eine gesteigerte Lagekenntnis. Integrierte Avioniksysteme bündeln die Sensorendaten und werten sie aus, damit sich der Pilot auf die taktische Lage konzentrieren kann. Jagdflugzeuge der fünften Generation können auch die modernsten Flugabwehrsysteme überwinden.
Stückzahlen
Die US-Streitkräfte wollen insgesamt 2.443 Flugzeuge kaufen. NATO-Verbündete wollen weitere 622 Maschinen. Nach Schätzung des Herstellers könnten weitere 1.000 Flugzeuge an Drittländer verkauft werden.
Einführung
Zwischen 2012 und 2016 sollen die drei geplanten Varianten in Dienst gestellt werden.
