Kamerad Roboter
Der Terminator oder R2D2 – sie leisten Unvorstellbares. Aber nur in der Fiktion. Der Einsatz von Robotern in der Wirklichkeit sieht weniger spektakulär aus. Eine Zwischenbilanz.

Als Ende Mai der Mitgründer von al-Qaida, Mustafa al-Yazid, in Nordwaziristan durch eine Rakete aus einer Predator-Drohne starb, war er mindestens das achte prominente islamistische Opfer, das durch ein unbemanntes, vollautomatisch gesteuertes Flugobjekt getroffen wurde. Solche Aktionen werden nicht vor Ort gesteuert, sondern per Joystick aus einem CIA-Gebäude heraus, irgendwo in den Vereinigten Staaten.
Satelliten übertragen die Signale. Echtzeitaufklärung ermöglicht eine extrem hohe Treffergenauigkeit. Maschinen, die auf Anordnung oder auch vorausahnend, ganz ohne direkte menschliche Unterstützung, ihre vorgegebene Arbeit verrichten, davon träumte schon der griechische Philosoph Aristoteles. Über 2.000 Jahre später besteht dieser Wunsch weiterhin, doch oft ist die Wirklichkeit noch nicht so beherrschbar, wie die „Europäische Leistungsschau Robotik“ (ELROB) in Hammelburg im Mai wieder zeigte.
Das sei auch gut so, sagt der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Werner Freers. Schließlich gehe es nicht um technische Sympathieträger wie im Science-Fiction-Film „Nr. 5 lebt!“ oder um Kampfmaschinen wie den Terminator, sondern vor allem um die Entlastung der Soldaten bei Routineaufgaben und den Schutz für Leib und Leben.

Dreckig, öde und gefährlich - ein Job für einen Roboter
Fliegende Automaten wie die Aufklärungsdrohne LUNA oder Systeme zur Gefahrenabwehr wie der Manipulator tEODor werden bereits erfolgreich eingesetzt. Neu erschlossen wird der Bereich Transport. Das sind dann auch die wichtigsten Einsatzbereiche, die im Englischen mit den drei D’s umschrieben werden, also dirty, dull and dangerous, sprich „dreckig, öde und gefährlich“.
Damit die High-Tech-Geräte die Soldaten entlasten können, müssen sie zuverlässig, leicht bedienbar und vor allem überlebensfähig sein. Feindliche Bedrohung ist allerdings nur ein mögliches Szenario. Auf dem Truppenübungsplatz in Hammelburg erwiesen sich vor allem widrige Umgebungs- und Witterungsbedingungen immer wieder als große Herausforderung.
Die Zuverlässigkeit von Robotersystemen steht auch für Ministerialdirigent Dirk Ellinger im Vordergrund. Vieles, was technologisch machbar ist, sei für den Einsatz noch nicht serienreif, betont der Hauptabteilungseiter Rüstung im Bundesministerium der Verteidigung. Ellinger sieht Fortschritte, allerdings nicht in der Breite, wie die Bundeswehr sich das wünscht. Investitionen in Millionenhöhe seien notwendig, um die Entwicklung voranzubringen. Investitionen, die aus vielen Gründen allerdings nicht in dem nötigen Umfang fließen.

Die U.S. Army steht an vorderster Käuferfront
Diese Probleme gibt es in den USA nicht. Fast zehn Milliarden Dollar werden die schlagkräftigsten Streitkräfte der Welt im Jahr 2016 für die elektronischen Aggregate ausgeben – rund zehnmal so viel wie 2009. Dies besagt jedenfalls eine Prognose des Marktforschunsunternehmens „WinterGreen Research“ aus Massachusetts.
Das amerikanische Militär steht an vorderster Käuferfront und darf die Forschung, anders als in europäischen Staaten, auch mit hohem finanziellen Aufwand fördern. Fünfzehn verschiedene Typen werden derzeit serienmäßig erworben. Mehr als 3.000 Apparate sind in Afghanistan und im Irak bei allen US-Teilstreitkräften im Einsatz, stellt ein Weißbuch der U.S. Army fest. Wie bei der Bundeswehr handelt es sich nicht um menschenähnliche Soldaten. Die Roboter werden dort eingesetzt, wo es für Menschen gefährlich oder das Gelände unzugänglich ist.
Die häufigsten Verwendungen sind derzeit Bombenentschärfung und taktische Aufklärung. Den allergrößten, volltechnisierten Helfer setzen die Marines ein. Das 63 Tonnen schwere Ungetüm heißt ABV (Assault Breacher Vehicle). Das ferngelenkte Kettenfahrzeug hat einen Pflugaufsatz, der sich auf großer Breite auch durch steinharten Boden wühlt, sowie zwei Sprengsatzwerfer, um Minenfelder und andere Hindernisse im Vorfeld eines Sturmangriffs zu räumen.

Kampfmittelbeseitiger und Aufklärer
Der Kleinste im aktuellen Einsatz ist der nur 380 Gramm schwere Throwbot. Ein Soldat wirft das hantelförmige Gerät auf ein Hausdach, durch ein Fenster oder in eine Bunkeröffnung. Der Elektro-Spion rollt aus eigener Kraft weiter und sendet Bilder zurück. Stolperdrähte, Hinterhalte und andere böse Überraschungen werden wirkungslos.
Den allergrößten Anteil machen die EOD-Spezialroboter aus. Einige Typen suchen und identifizieren Sprengsätze; andere setzen ihren ferngelenkten Greifarm ein, um Bomben zu entschärfen. Der nur 29 Pfund schwere Kleinroboter Mk 4 BomBot kann einen C4-Sprengsatz bei einer mutmaßlichen Straßenrandbombe ablegen. Ein Soldat steuert das Fahrzeug dabei aus bis zu 350 Metern Entfernung.
Meistens kann das schnelle Radfahrzeug Mk 4 BomBot in Sicherheit gebracht werden, ehe der Sprengsatz hochgeht. Falls nicht? „Für jeden zerstörten Roboter bleibt ein Soldat heil
“, erklärt Marineinfanterist a.D. Norm Root, der Soldaten in dieser Technologie ausbildet. Auch in der Bundeswehr nehmen solche Roboter eine nicht mehr wegzudenkende Rolle ein. Der bekannteste Vertreter dieser Gattung ist der Manipulator tEODor.

Bewährt in Afghanistan
Auch das Kleinfluggerät Zielortung (KZO) hat sich schon in Afghanistan bewährt. Die Aufklärungsdrohne muss in Kontakt mit der Kommandoleitstelle bleiben. Von dort kann sie sich bis zu 100 Kilometer entfernen und registriert so ziemlich alles, was auf dem Boden passiert. Der Artillerie funkt sie Zieldaten mit einer Genauigkeit von 50 Metern zu.
Ebenfalls zum Schutz der Soldaten, aber auf einem ganz anderen Gebiet, trägt das Feldlagergerät Crawler FLG140 bei. Ferngesteuert können Lasten bis 1,3 Tonnen auf maximal 2,81 Meter Höhe gehoben werden. Der Gabelstapler kann leichte Steigungen und durch seine 3D-Knicklenker auch Geländekanten überwinden. Die amerikanischen Streitkräfte sind weiter bei der Entwicklung von mechanischen Packtieren für die Infanterie wie etwa dem BigDog.
Auch zu sehen auf der ELROB: Auf Basis von Segway-Rollern kann der Infanterist der Zukunft mit seiner schweren Ausrüstung Distanzen überbrücken, ohne körperlich beansprucht zu werden. Gelenkt wird das Gefährt mit den Knien, so dass der Soldat die Hände frei hat. Am Einsatzort angekommen, fährt der Roller dann eigenständig zum programmierten Ausgangspunkt zurück. Zusammengekoppelt zu mehreren Einheiten soll das Zweirad auch für den Transport von Verwundeten aus der Gefahrenzone geeignet sein.

Im Wasser, an Land und in der Luft
Für die Aufklärung gewinnen frei bewegliche Maschinen immer größere Bedeutung. Sie erobern die Luft. Erfolgreich eingesetzt werden die Systeme LUNA (Luftunterstützte unbemannte Nahaufklärungs-Ausstattung) oder Aladin (Abbildende luftunterstützte Aufklärungsdrohne im Nächstbereich) sowie Kleinfluggerät Zielortung (KZO). Die Übermittlung der Aufklärungsdaten erfolgt nahezu in Echtzeit.
Größer sind die automatisiert fliegenden Augen der MALE- (Medium Altitude Long Endurance) und HALE- (High Altitude Long Endurance) Klasse. Im Fall des Euro Hawk (HALE-Klasse) besitzen sie fast die Ausmaße einer Passagiermaschine. Auch die deutsche Marine setzt auf Automatenunterstützung, zum Beispiel auf den Seefuchs. So fortgeschritten die Technik auch sein mag und so sehr Roboter heute Teil der Streitkräfte sind – die noch zu bewältigenden Probleme sind enorm.
Viele Ausfälle oder Fehlfunktionen bei der ELROB kamen durch Störungen zustande, die von anderen Automaten ausgingen. Zur Fehleranfälligkeit gehört auch die große Datenflut, die etwa von den Aufklärungscomputern generiert wird. Das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden stellt die Software und ihre menschlichen Programmierer vor große Herausforderungen.

Keine bewaffneten Automaten
Das Grundproblem bleibt: Roboter sind immer noch grundsätzlich „dumm“. Sie bewältigen nur das, wofür sie programmiert wurden. Situationsabhängige differenzierte Entscheidungen können sie nur bedingt oder gar nicht treffen. Deshalb wird es so schnell keinen menschenähnlichen Kampfroboter geben. Der kann nicht unterscheiden, ob die Person vor ihm ein ungefährlicher Zivilist oder ein Gegner ist.
Das wirft auch Fragen für das Kriegsvölkerrecht auf. Hat ein Schießautomat Kombattantenstatus? Für die Bundeswehr ist klar, dass es bewaffnete Automaten nicht geben soll. Die mögliche Technik dazu existiert schon längst. Aber die Zuverlässigkeit, dass Befehle militärisch korrekt ausgeführt werden, ist noch nicht so groß, als dass sie für den Einsatz taugt.
Selbst die U.S. Army musste dabei schon Rückschläge verkraften. Das Swords-System, eine Art Minipanzer, der im Irak zum Zuge kam, wurde wieder zu den Ingenieuren zurückgeschickt. Der Geschützlauf soll sich entgegen der Programmierung auf den einsatzführenden Soldaten gerichtet haben. Objekt der Begierde bleibt dennoch die bewaffnete, intelligente Maschine, die Ziele erfassen und sofort bekämpfen kann.

„Echte“ Autonomie ist Zukunftsmusik. Ein großer Fortschritt wäre es schon, wenn es gelänge, bei der Verwendung der Systeme zu garantieren, dass die letzte Handlungsentscheidung beim Soldaten aus Fleisch und Blut liegt. „Der Mensch muss jederzeit eingreifen können
“, betonen General Werner Freers und Dirk Ellinger.
»Menschen sind den Robotern überlegen«
| Wo liegen die Vorteile von Robotern? |
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| Roboter werden nie müde, sind präzise und stärker. |
| Welche Schwächen haben Roboter? |
| Sie können unter anderem noch nicht so schnell Informationen aufnehmen. Roboter können vor allem nicht das Verhalten und die Absichten eines Objekts erkennen. |
| Woran liegt das? |
| Intelligente Entscheidungen sind sehr komplexe Vorgänge. Bei Robotern liegt die Schwierigkeit in der Verarbeitung der erhaltenen Informationen. Vorrangig ist das ein Softwareproblem. |
| Wie lange wird es dauern, bis sie intelligent werden? |
| Dies liegt noch in sehr weiter Ferne. In den 80er Jahren startete etwa die Grundlagenforschung bei Fahrzeugrobotern, damit diese sich autonom auf Straßen bewegen können. Jetzt erst konnte der Fahrspurassistent zur Serienreife entwickelt werden. Selbstständig sicher können die Autos immer noch nicht fahren. |
| Welche Rolle spielt der Mensch bei Robotern? |
| Ohne den Menschen geht nichts. Hinter jedem System wird auch in Zukunft ein Mensch stehen müssen, der die Entscheidungen trifft. Roboter werden den Menschen unterstützen und sein Leben sicherer machen. |
