Label Bundeswehr

Sie sind hier: Startseite > aktuell > Panorama > Die Drei von der Baustelle

Die Drei von der Baustelle

Der Umbau des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden geht voran. Früher nur für Geschichts- und Militärbegeisterte ein Muss, wird es Ende 2010 zum Highlight für alle. Grund genug für Y, die Baustelle zu inspizieren.

Außenansicht des Museumsgebäudes
Der Neubau von Architekt Daniel Libeskind versucht, Raum zum … (Quelle: Y/Wilhelm Breuer)Größere Abbildung anzeigen

Wo früher eine dunkle Eingangshalle den Besucher des Militärhistorischen Museums empfing, ist heute eine nackte Baustelle. Hartgetrockneter Estrich statt Mamorfliesen. Baustaub und ein Hauch von verbranntem Schweißdraht liegen in der Luft.

Mitten in der altehrwürdigen Bausubstanz stört auf den ersten Blick eine riesige Betonwand. Stararchitekt Daniel Libeskind ist verantwortlich für diese Gestaltungsidee. Der Neubau ist als Keil konstruiert, der vom Himmel auf das Gebäude gestürzt ist. Seine riesigen Wände durchbrechen symbolisch die alte Hallenstruktur.

nach oben

Drei Männer auf Baustelle
Das Team (von links): Jan Kindler, Oberstleutnant Ferdinand … (Quelle: Y/Wilhelm Breuer)Größere Abbildung anzeigen

„Vorsicht, Kopf einziehen!“

Hier beginnt unser Rundgang, geführt von Oberstleutnant Ferdinand Freiherr von Richthofen, Leiter des Militärhistorischen Museums. Nur mit Sicherheitshelm und nach Anmeldung bei der Bauleitung darf der 49-jährige Hausherr die Großbaustelle betreten. Ihm folgen zwei führende Mitarbeiter der Projektgruppe Neugestaltung, Dr. Gorch Pieken (47) und Jan Kindler (42) – beide mit Helm, versteht sich.

Von Richthofen führt uns über Kabelschächte an Gerüstträgern vorbei. Seine Ausführungen zum Baustand werden immer wieder wenig dezent durchbrochen von einem Presslufthammer. Von Richthofen kennt alle gefährlichen Winkel der Baustelle und mahnt: „Vorsicht, Kopf einziehen!“ Gerade rechtzeitig, bevor mein Kopf unsanft Bekanntschaft mit einer Gerüststange macht.

Durch den Altbau an den kalten Betonmauern des neuen Anbaus vorbei sind wir auf dem Weg nach oben. Schon oft hat von Richthofen Interessierte über die Baustelle geführt. Zuletzt hat sich der Generalinspekteur mit seinem französischen Amtskollegen das Bauprojekt zeigen lassen.

nach oben

Blick von Gerüst in Raum mit nackten Betonwänden
Hohe, helle Räume bieten zukünftig Platz für große Installat … (Quelle: Y/Wilhelm Breuer)Größere Abbildung anzeigen

Wie eine Pfeilspitze

„Meistens wissen unsere Besucher nicht, was hier entstehen wird, und zeigen sich begeistert“, sagt Dr. Gorch Pieken. Als verantwortlicher Projektleiter für die Ausstellungskonzeption arbeitet er eng mit von Richthofen zusammen.

Diese Begeisterung kann ich nachvollziehen. Über improvisierte Treppen, Gerüste und Holzplanken erreichen wir das Dach des alten Gebäudes. Hinter einer riesigen Bauplane eröffnet sich der Blick auf das Innere des Keils. Eine Stahlkonstruktion, die wie eine Pfeilspitze aus der Gebäudevorderseite heraussticht.

Mit leuchtenden Augen steht von Richthofen an der Hauskante und atmet abseits des Baustaubs tief die frische Luft ein: „Hier ist mein persönlicher Lieblingsplatz. An der Stelle, wo der Neubau mit der Keilkonstruktion an den Altbau grenzt.“ Beeindruckend. „Genau hier liegt die Besonderheit der Neukonzeption“, so Pieken.

nach oben

Halle mit Panzern
Vor Beginn des Umbaus ist in unmittelbarer Nähe ein Depot au … (Quelle: Y/Wilhelm Breuer)Größere Abbildung anzeigen

Täglich neue Herausforderungen

Das Museum wird künftig zwei Zugänge zur Militärgeschichte bieten, den chronologischen Rundgang im sanierten Altbau und thematische Querschnitte im Neubau. Die Bilder, die so beim Besucher entstehen, sollen ihn emotional einbinden, erläutert Pieken beim mittlerweile beschwerlichen Aufstieg über eine schmale Holzleiter.

Auf dem Dach strahlt die Morgensonne. „Die ständigen Veränderungen auf der Baustelle und die Betrachtung des bisher Erreichten sind faszinierend“, sagt der Projektleiter, „und gute Motivation für uns.“ Pieken und Co. kämpfen täglich mit neuen Herausforderungen. „Bei so einem Projekt brauchen wir Problemlöser und keine Fehlerfinder“, bemerkt er grinsend.

Sein Team ist verantwortlich für die Neugestaltung des Museumskonzepts. „Der Erfolg einer Ausstellung lässt sich letztlich erst an der Zahl der Besucher messen“, erklärt Jan Kindler. Er ist für Medien in der Ausstellung und Veranstaltungsprogramme verantwortlich. „In der Bundeswehr wissen nur wenige, was hier entsteht. Wer eine Aneinanderreihung von Knöpfen, Waffen und Fahrzeugen erwartet, wird enttäuscht und begeistert zugleich sein.“ Ohne Zweifel.

In der Ferne, in der Verlängerung der von Libeskind ausgerichteten Sichtachse, liegt der historische Stadtkern Dresdens. 64 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges verbindet der Bau Militär- und Stadtgeschichte. Ein guter Ansatz für die Zukunft des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr.

W… W… W…
Was ist das Besondere?

Die Perspektive von der Grasnarbe aus und nicht vom Feldherrnhügel. Das Museum beschäftigt sich auch mit dem Thema Gewalt als Teil der Kulturgeschichte. Dies ist einzigartig für ein Militärmuseum.

Highlights: Überblick 700 Jahre deutsche Militärgeschichte, Schaudepots mit Großgerät und Themenparcours.

Wie? Themenparcours?

Ungewöhnlich aufgearbeitete Themen gibt es im Neubau. Zum Beispiel zum Verhältnis zwischen Zivilisten und Soldaten sowie dem Einfluss des Militärs auf Musik und Mode. Auch interessant für Schulen und Familien.

Wieviel kostet der Umbau?

58 Millionen Euro. Mit 19.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche das größte militärhistorische Museum Deutschlands.

nach oben


Stand vom: 17.07.2009 | Autor: Eric Gusenburger

http://www.y-punkt.de/portal/a/ypunkt/aktuell/panorama%3Fyw_contentURL=%2F01DB131000000001%2FW27U2F9T670INFODE%2Fcontent.jsp.html