Kriegsgeschehen

Der Kosovo eine unruhige Region

Am 15. Oktober 2014 spielte Serbien gegen Albanien im EM-Qualifikationsspiel gegeneinander. Das Stadion war zum größten Teil mit serbischen Fans gefüllt. Es herrschte eine angespannte Stimmung. In der 42. Minute schwebte plötzlich eine Drohne mit der großalbanischen Flagge durch das Stadion. In folge dessen kam es zu Ausschreitungen im Stadion, welche sich schnell auch auf die Stadt Mitrovica ausbreiteten. Die Polizei vor Ort kann die Krawalle beruhigen.

Der Einsatz im Kosovo ist kompliziert und vielseitig. Es gibt viele verschiedene Einsatzszenarien. So wird das freundliche Gespräch mit der Bevölkerung gesucht, ein CRC-Einsatz (Crowd Riot Control) vorgenommen oder im Notfall zur Schusswaffe gegriffen. Jeder Einsatz ist kompliziert und muss im Vorfeld genau geplant sein, da jede Aktion entscheidende Auswirkungen auf die andere Konfliktpartei hat. Die größte Problemzone befindet sich im Norden des Kosovo wo es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Albaner und Serben kommt. Dem Militär ist es wichtig Präsenz zu zeigen. So befinden sich Soldaten täglich auf Patrouille. Die Bevölkerung soll den Eindruck bekommen, dass das Militär aufpasst und für Ordnung sorgt. 1999 hat der Einsatz mit rund 50.000 NATO-Soldaten begonnen. Derzeit befinden sich nur noch an die 700 Soldaten im Gebiet. Die Lage hat sich gebessert, ist jedoch noch nicht stabil.

Das Leben nach dem Gefecht

Ist der Krieg vorbei kehren die Soldaten nach Hause zurück. Für sie ist die Schlacht jedoch noch nicht geschlagen. Der Frieden im Alltag wird oft durch schreckliche Erinnerungen an den Krieg vergiftet. Erinnerungen an Gefahr, Angst und Einsamkeit. Traumatisierte Soldaten müssen so oft mit ihren Angehörigen um ein geregeltes Leben in Frieden kämpfen. Und das ist oft nicht so leicht wie es scheint.

Traumatisiert kam auch Boris aus dem Einsatz zurück nach Hause. Ein Selbstmordattentäter hat sich neben ihm in die Luft gesprengt. Drei seiner Kameraden starben bei dem Anschlag, Boris wurde schwer verwundet. Boris lag tagelang im künstlichen Koma, er musste etliche Operationen über sich ergehen lassen, Hauttransplantationen waren notwendig und sein Trommelfell musste erneuert werden. Der Soldat kämpfte sich ins Leben zurück. Seine Motivation in dieser schwierigen Zeit war seine Verlobte und die bevorstehende Hochzeit. Die beiden heirateten, jedoch schränken die Verwundungen Boris Alltag ein. Seine äußerlichen Leiden sind sichtbar, jedoch leidet er auch innerlich, was noch viel schmerzhafter ist. Boris und seine Frau entscheiden sich für eine Traumatherapie. Es ist wichtige zu verstehen, dass der Kriegszustand vorbei ist und man sein Leben sorglos leben kann. Um mit dem Ereignis abschließen zu können, fliegen sie an den Ort des tragischen Anschlags zurück. Boris nimmt von seinen gefallenen Kameraden Abschied und zieht einen Schlussstrich. Neun Monate danach bekommen die beiden eine Tochter, ein Neuanfang.

Thematisierung von Tod in der Ausbildung

Das Militär spricht in eigenen Publikationen nicht gerne über das Thema Tod beziehungsweise Verwundung. Das wird oftmals kritisiert, da es sich um einen wichtigen Aspekt handelt. Entscheidet man sich für eine berufliche Laufbahn beim Militär entscheidet man sich gleichzeitig zu einer höheren Wahrscheinlichkeit verwundet oder getötet zu werden. Gerade in der Nachwuchswerbung wird dieses Thema gerne unter den Tisch gekehrt. Es wird eine Illusion eines unsterblichen Soldaten geschaffen. Umso schmerzhafter ist es dann jedoch wenn man erste Erfahrungen mit dem Tod oder der Verwundungen seiner Kameraden macht. In der Ausbildung müssten Themen wie diese einen viel höheren Stellenwert einnehmen.

Berichterstattung im Kriegsgebiet bringt ethischen Konflikt

Krieg in jeglicher Form ist schrecklich und man findet nichts gutes darin. Für den Journalisten ansich stellt der Krieg jedoch eine perfekte Gelegenheit dar, eine Spannende neue Geschichte zu schreiben. In gewisser maßen sind Journalisten somit abhängig von schrecklichen Taten auf der Welt. Die breite Masse möchte über Krisen, Kriege und andere Katastrophen informiert werden. Eine alte Journalisten-Weisheit besagt zudem “Only bad news are good news”. Und so entstehen genau aus diesen eigentlich dramatischen Ereignissen die meisten Nachrichten. Für die Beteiligten im Gebiet stellt die Situation die Hölle dar, für den Verlag hingegen das Paradies.

Oft wird erst über ein Thema in weit entfernten Ländern berichtet, wenn sich dort etwas schlimmes zugetragen hat. Über Naturkatastrophen, Kriege oder Terroranschläge wird gerne eine Nachricht verfasst. Ziel bei der Berichterstattung ist natürlich eine hohe Auflage beziehungsweise hohe Einschaltquoten. Frieden und Zufriedenheit gibt eben nicht so viel her wie Krieg und Zerstörung. Beispiele für große Medienereignisse sind Kriege im Vietnam, in der Golfregion, Jugoslawien oder der Terroranschlag auf das World Trade Center, welcher in weiterer folge den Krieg in Afghanistan auslöste. In der Dauer des Golfkrieges waren mehr als 3000 Tausend Journalisten im Einsatz was für die mediale Beachtung spricht.

Früher war es für Journalisten nicht so einfach über Kriege zu berichten, da es restriktive Zugangs- beziehungsweise Zensurbestimmungen im Kriegsgebiet gab. Somit war es nur eingeschränkt möglich über die Ereignisse zu schreiben. So geriet die US-Invasion in Grenada oder Panama fast in Vergessenheit. Auch über den Konflikt in Tschetschenien wird nur wenig berichtet, da Russland eine strenge Zensur betreibt. Über Konflikte wie zum Beispiel der Krieg im Kongo oder die Auseinandersetzung zwischen Äthiopien und Eritrea erfährt man in den Medien ebenfalls nur teilweise etwas.

 

Konkurrenzkampf der Medien

Journalisten tragen eine große Verantwortung bei der Berichterstattung über Krisen und Kriege, denn die Meinung der Bevölkerung wird stark durch die Medien geprägt. So bekommt man fast den Eindruck, dass überall auf der Welt nur Krieg herrscht. Vor allem nur dort wo ein Kamerateam vorhanden ist und darüber einen Bericht schreibt. Wo keine Medienpräsenz ist, wird auch nicht berichtet und wird somit von der Bevölkerung auch nicht wahrgenommen. Kaum wird über die Situation nach der Tragödie, beziehungsweise darüber wie es dazu kam, berichtet. Berichtet wird, wenn geschossen wird. Wie sich die Situation danach weiter entwickelt ist weitestgehendst uninteressant. Es erweist sich als kostengünstiger seinen Korrespondenten in ein Gebiet zu schicken, wo gerade die Hölle los ist. Dieser berichtet dann schnell über die Geschehnisse, obwohl er sich noch gar kein Bild von der eigentlichen Situation gemacht hat. Er bekommt das Material nämlich oft von der heimischen Redaktion zugesendet und nutzt dieses um seinen Bericht mit Bildern zu hinterlegen. Im Gebiet zu recherchieren und einen eigenständigen Bericht zu verfassen nimmt viel Zeit und Kosten in Anspruch. Es ist entscheidender seine Nachricht so schnell wie Möglich in den Medien verbreiten zu können, als einen qualitativ hochwertigen und eigenständigen Beitrag zu verfassen. So kommt es in der heutigen Zeit auch oft zu falschmeldungen.

 

Medien als Waffe

Die Berichterstattung im Kriegsgebiet erweist sich als heikle Aufgabe. Wie kommt man sicher an den Ort des Geschehens und auch wieder lebend heraus? Hierbei bietet das Militär oftmals seine Hilfe an. Die Journalisten werden von den Truppen vor Ort ausgewählt. Diese werden dann unter dem Schutz des Militärs an den Ort des Gefechts gebracht wo sie sich einen Eindruck verfassen können und anschließend den Bericht dazu schreiben. Dieser wird dann vor der Veröffentlichung von einem Presseoffizier begutachtet und abgesegnet. So kann gesteuert werden, welche Nachrichten an die Bevölkerung weitergegeben werden und welche nicht. So werden häufig Siege, Erfolge und Grüße an die Heimat verkündet. Der “eingebettete Journalismus” hat sich aus Folge des Vietnam Krieges entwickelt. Im Vietnam Krieg wurde praktisch ohne Zensur berichtet. So kam es zu einer Vielzahl an negativen Schlagzeilen. Journalisten, welche sich nicht “einbetten” lassen wollen, müssen auf eigene Faust in das Krisengebiet reisen und riskieren so oftmals ihr eigenes Leben.

Medien stellen im Krieg praktisch eine fünfte Front dar. Der amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower meinte damals schon “Die öffentliche Meinung gewinnt den Krieg”. Somit gelten die Medien in den Händen geschickter Kriegsführer schon seit längerem als fünfte Front. Wer den Informationsfluss lenkt, wird am Ende siegreich sein. Daher wird die Methode des “eingebetteten Journalismus” verwendet. Im Irakkrieg wurde laut mehreren wissenschaftlichen Studien keine Zensur betrieben. Das war nicht nötig, da die Auswahl der Journalisten sowie die Betreuung dieser, schon den Großteil der Manipulation ausmachten.

Weiters entsteht oft eine Verbindung zwischen dem Journalisten und dem Soldaten, wenn man für Tage oder Woche zusammen. Dadurch kann es zu einer positiven Einfärbung der Berichte kommen. Bei der “eingebetteten Berichterstattung” wird im Prinzip aus der Perspektive eines einfachen Soldaten berichtet. Der große Zusammenhang des Konflikts bleibt so oft aus. Auch kommen Kriegsopfer oder negative Ereignisse im Bericht oftmals zu kurz. Doch genau das ist ja im Sinne des Militärs.

 

Fressen oder gefressen werden

Was bleibt den Medien anders übrig als das Spiel der gelenkten Berichterstattung zu spielen? Wenn man keine Möglichkeit hat in die Nähe des Kampfgeschehens zu kommen, gibt es auch keinen Bericht und ohne diesen keine Einschaltquoten. Schon alleine der Konkurrenzkampf der Medien macht es fast unmöglich nein zu sagen. Das Militär ist sich der Lage bewusst und versteht es den Umstand zu seinen Gunsten zu nutzen. Die heutige Berichterstattung befindet sich in einer Zwickmühle. Wichtige Regeln wie zum Beispiel das Neutralitätsgebot sollen gewahrt und zeitgleich die Interessen des Militärs geachtet werden. Der Journalismus muss sich einem ethischen Problem stellen.